So bleibt die Verdauung in Schwung

Experteninterview mit Prof. Dr. med. Michael Geißler, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin an den Städtischen Kliniken in Esslingen a. N. und Dr. Andre Schumacher, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Düsseldorf zum Thema „Verdauungsbeschwerden“.

Unsere Verdauung ist ein komplexer Prozess. Wie läuft sie eigentlich konkret ab und welche Organe spielen dabei eine maßgebliche Rolle?

Prof. Geißler: Die verschiedenen Verdauungsorgane sind sehr gut aufeinander abgestimmt und haben die Aufgabe, feste und flüssige Nahrung aufzunehmen, in ihre Bestandteile zu zerlegen und dem Organismus anschließend zur Verwertung zu zuführen.

Die Verdauung beginnt bereits im Mund und geht dann über Speiseröhre, Magen, Dünndarm, wo Bauchspeicheldrüse, Leber und Gallenblase ebenfalls zusätzliche Funktionen innehaben, bis zum Dickdarm.

Warum kommt es zu Funktionsstörungen des Magen-Darm-Systems und wie äußern sich diese?

Prof. Geißler: Funktionsstörungen im Magen-/Darmbereich können vielfältige Ursachen haben. Neben psychischen Faktoren wie Stress spielen auch die Art der Ernährung, Übergewicht, Untergewicht sowie Infektionserkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Tumorerkrankungen Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen eine wichtige Rolle.

Die Beschwerden sind vielfältig und reichen über Sodbrennen, Aufstoßen, Schmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Blutungen, Gewichtsverlust, Muskelkrämpfen, bis hin zu Übelkeit und Erbrechen.

Gibt es geschlechterspezifische Unterschiede bei der Ausprägung von Magen-Darm-Problemen?

Prof. Geißler: In der Tat gibt es bei den unterschiedlichen Erkrankungen eine variable Verteilung zwischen Männern und Frauen. Dies gilt sowohl für entzündliche Erkrankungen des Darmes, für Tumorerkrankungen und psychosomatische Krankheiten. Generell kann man sagen, dass Frauen häufiger betroffen sind, als Männer.

Verdauungsstörungen treten mit dem Alter häufiger auf – warum?

Dr. Schumacher: Im Alter treten vermehrt Verdauungsstörungen auf, weil der physiologische Alterungsprozess auch den Magen-Darm-Trakt betrifft und in Folge dessen manche Funktionen nicht mehr optimal erfüllt werden. Zudem macht sich bemerkbar, was jeder Einzelne seiner Verdauung im Laufe des Lebens zugemutet hat. Neben Fehlernährung spielt dabei auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten eine Rolle, die ja mit zunehmendem Alter oft steigt.

Lässt sich die Funktion der Verdauungsorgane durch bestimmte pflanzliche Arzneistoffe fördern?

Dr. Schumacher: Ja, weil die in pflanzlichen Arzneimitteln enthaltenen Natur- oder Bitterstoffe bestimmte Abschnitte der Verdauungskette durchaus positiv beeinflussen. So wirken Anis, Kümmel und Fenchel Blähungen entgegen, Rosmarin gilt als appetitanregend, Pfefferminz und Oregano fördern die Gallenaktivität. Ingwer, Kardamom, Muskat sowie Löwenzahn und Enzian regen die Magen- und Darmtätigkeit an.

Wie wirken Artischocke, Mariendistel, Kümmel, Wermutskraut und Co. auf die Verdauung?

Dr. Schumacher: Die Unterschiede liegen in der Wirkungsweise. Artischocke fördert die Fettverdauung, unterstützt somit auch eine cholesterinbewusste Ernährung und regt die Leber-Galletätigkeit an.

Mariendistel stärkt die Verdauungsfunktion der Leber und fördert die Regenerationsfähigkeit der Leberzellen, Kümmel wirkt entblähend, während Wermutskraut eine allgemein anregende Wirkung auf die Funktion der Verdauungsorgane hat.

Wann sind Artischocke oder Mariendistelpräparate empfehlenswert?

Dr. Schumacher: Beim Auftreten von leichten Oberbauchbeschwerden oder Völlegefühl können Artischockenpräparate aus der Drogerie oder Apotheke, wie beispielsweise von tetesept Linderung verschaffen.

Wird die Leber beispielsweise durch Stress, eine unausgewogene Ernährung, verstärkten Alkoholkonsum, Völlerei an Festtagen oder die Einnahme von Medikamenten besonders belastet, kann es hilfreich sein, dem wichtigen Entgiftungsorgan mit der Einnahme von Mariendistel-Kapseln oder Kombi-Präparaten mit Artischocke etwas Gutes zu tun.