Muskel & Gelenkbeschwerden - was tun?

Knie, Hüften und Schultern sind besonders beanspruchte Gelenke- und Muskelpartien – und daher sehr anfällig. Fragen rund um Muskel- und Gelenkbeschwerden beantwortet Dr. Ingo Tusk, Chefarzt der Abteilung Sportorthopädie und Endoprothetik der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt am Main und Vizepräsident der Deutschen Sportärzte.

Herr Dr. Tusk, inwiefern gehören Gelenke und Muskeln zusammen?

Ohne das harmonische Zusammenspiel von Gelenken und Muskeln könnten wir uns nicht bewegen: Gelenke sind das bewegliche Bindeglied zwischen den Knochen. In Zusammenarbeit mit den Muskeln machen sie den menschlichen Körper beweglich.

Wie kann ich unterscheiden, ob die Gelenke oder Muskeln schmerzen?

Ob Schmerzen auf Gelenke oder Muskeln zurückzuführen sind, kann meist nur ein Arzt feststellen, der genau weiß, wo im Körper Gelenke sind bzw. Muskeln verlaufen.

Was sind die Ursachen von Gelenk- und Muskelschmerzen?

Die Ursachen von Gelenk- und Muskelschmerzen sind sehr vielseitig:

  • Fehlbelastungen: z.B. Dauerlauf mit falschen Schuhen schlechte Körperhaltung beim Arbeiten
  • Überlastung: zu viel Gewicht
  • Fehlstellungen: X- oder O-Beine, Knickplattfüße etc.
  • Abnutzungserscheinungen: meist alters- oder fehlstellungsbedingt.

Welche Altersgruppe ist besonderes betroffen?

Allgemein wird angenommen, Muskel- und Gelenkbeschwerden seien ein Leiden alter Menschen. Tatsächlich hat ab dem 35. Lebensjahr jeder zweite hin- und wieder Gelenkschmerzen, ab dem 60. Lebensjahr fast jeder.

Was hilft bei Gelenk- und Muskelschmerzen?

Bei Gelenk- und Muskelbeschwerden kann ich vor allem Wärmeanwendungen, Bewegung und Stressabbau empfehlen sowie, Übergewicht zu vermeiden:

Bewegung

Regelmäßige, schonende Bewegung ist wichtig, denn dadurch wird die Blutzirkulation angeregt, Knochen und Knorpel werden mit ausreichend Nährstoffen versorgt – die Voraussetzung für gesunde Gelenke. Auch Muskeln sollten kontinuierlich sanft trainiert werden. Und einen weiterer Effekt hat die Bewegung: Der Körper schüttet dabei eigene Schmerzhemmstoffe wie Serotonin und Endorphin aus, die die Schmerzwahrnehmung reduzieren. Bei akuten Schmerzen ist Ruhe angezeigt.

Tipps für Bewegung

  • Sanfte Sportarten wie Schwimmen (hierbei werden die Gelenke nicht belastet), Radfahren, regelmäßiges Rückentraining
  • Laufen und Walken auf weichem Boden mit speziellen Sportschuhen.
  • Weniger geeignet sind Sportarten bei denen schnelle, reißende Bewegungen mit Drehungen kombiniert werden, wie z.B. Tennis, Golf, Ballspiele und Aerobic.

Stressabbau

Stressabbau hilft auch bei Muskel- und Gelenkschmerzen, weil sich der Körper so mehr und besser entspannt. Schon ein kleiner Spaziergang fördert die Durchblutung sowie einen guten Schlaf und somit das Wohlbefinden.

Tipps für Stressabbau

  • Täglich ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft.
  • Entspannungstrainings (z.B. Progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training)

Übergewicht vermeiden

Welche Rolle Übergewicht bei Muskel- und Gelenkbeschwerden spielt, ist den meisten nicht bewusst: Man stelle sich vor, jemand würde einem morgens beim Aufstehen zwei Putzeimer gefüllt mit Wasser vor das Bett stellen und verlangen, man möge diese Eimer den ganzen Tag mit sich herumtragen. Jeder von uns würde sofort ablehnen mit dem Hinweis, das sei zu schwer und würde den Körper überlasten. Tatsächlich haben viele Menschen ein Übergewicht von 20 Kilo – ohne sich darüber Gedanken zu machen, welche Belastung im wahrsten Sinne des Wortes dies für Gelenke und Muskeln bedeutet.

Tipps für Übergewicht

  • eine ausgewogene Ernährung
  • regelmäßige Bewegung

Wann muss man zum Arzt?

Ein orthopädischer Facharzt sollte aufgesucht werden:

  • wenn akute Muskelschmerzen nach einem Tag nicht besser werden.
  • wenn äußere Verletzungsmerkmalen sichtbar sind, wie z.B. Blutergüssen.
  • bei Schwellungen oder Rötungen der Hautoberfläche um das Gelenk herum.